Tränen unter Palmen

Tränen unter Palmen. Klingt wie der Titel eines schlechten Romans. Bei mir war es Realität. Ich sitze auf Kos. Eine traumhafte Insel. Das Meer glitzert, das Essen ist fantastisch und die Sonne scheint jeden Tag vom Himmel. Eigentlich die perfekte Urlaubskulisse.
Und trotzdem sitze ich beim Frühstück mit Tränen hinter der Sonnenbrille.
Nicht laut. Nicht dramatisch.
Nur so, dass niemand am Nebentisch etwas merkt. Während alle anderen ihren Kaffee trinken und ihren Urlaub genießen, führt mein Kopf ein ganz anderes Gespräch.

 
Die Sonne beugt sich zu mir herunter und lacht.

„Wie kannst du hier sitzen und es dir gutgehen lassen?

Du hast keinen Job. Du hast es immer wieder versucht und bist immer wieder gescheitert. Wie kannst du dir anmaßen, hier unter meinem Himmel Urlaub zu machen?“

Natürlich weiß ich, dass die Sonne das nicht wirklich sagt.
Die Stimme kommt aus meinem Kopf.

Trotzdem fühlt sie sich in diesem Moment erschreckend wahr an.
Und je länger ich darüber nachdenke, desto größer wird die Anklage.

Nicht nur: „Du hast dir diesen Urlaub nicht verdient.“

Sondern auch: „Die Menschen hier haben ihn sich verdient.“

Die Familien mit Kindern. Die Menschen, die jeden Tag arbeiten gehen. Diejenigen, die scheinbar ihren Platz im Leben gefunden haben.
Sie alle sitzen beim Frühstück, als hätten sie eine Eintrittskarte bekommen.
Und ich sitze da und frage mich, ob meine vielleicht gefälscht ist.

Das Verrückte ist:
Zur Traurigkeit gesellen sich sofort die Schuldgefühle.
Denn wenn ich schon an einem so wunderschönen Ort traurig bin, dann bin ich offenbar auch noch undankbar.


Ich habe Sonne. Ich sollte glücklich sein.
Ich habe Meer. Ich sollte dankbar sein.
Ich habe Urlaub. Ich sollte diesen Moment genießen.


Vielleicht ist das der eigentliche Schmerz, der mir die Tränen, hinter der Sonnenbrille, in die Augen treibt.

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