Arbeitsfähig

Im Moment habe ich das Gefühl, ich müsste jetzt doppelt so hart arbeiten. Hart². Ich müsste mich übergeben vor Anstrengung, mich mit Alternativen beschäftigen, die mir Angst machen: Flaschen sammeln, OnlyFans, Ausbildungen, Kassenjobs. Nicht, weil ich sie verachte, sondern weil sie sich für mich wie ein Abschied von dem anfühlen, wofür ich so lange gekämpft habe. Gleichzeitig weiß ich, dass ich der Realität nicht ewig davonlaufen kann. Ich kann mir nicht unbegrenzt Zeit von meiner Zukunft leihen.

Also suche ich den Fehler bei mir. Vielleicht strenge ich mich einfach nicht genug an. Ich kann noch atmen. Ich lebe noch. Ich bin nicht an meinen Schreibtisch gekettet. Also arbeite ich wohl nicht hart genug. Deshalb habe ich keinen Erfolg. Denn offenbar reicht Einsatz erst dann, wenn Blut an den Handgelenken hinunterläuft. Als müsste ich mich nur lange genug schinden, zerstören und in kleine Stücke zerlegen, um mir endlich einen Platz in der Arbeitswelt zu verdienen.

Es fühlt sich an, als würde ich mit einer anderen Währung bezahlen. Nicht mit Geld, sondern mit meiner Gesundheit. Mit meiner aufgebauten Stabilität. Mit meiner Zuversicht. Als müsste ich all das eintauschen, um vielleicht ein goldenes Ticket in eine Welt zu bekommen, die mich so, wie ich heute bin, nicht haben will. Eine Welt, die Extreme belohnt. Die so wirkt, als gäbe es nur dann einen Platz für dich, wenn du bereit bist, alles andere dafür aufzugeben. Fast so, als wäre genau das die eigentliche Aufnahmeprüfung.

Ich weiß, dass die Welt mir nichts schuldet. Aber manchmal fühlt es sich an, als würde sie verlangen, dass ich ihr alles schulde.

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