Die letzten Tage waren nicht leicht. Schmerzen, Kopfschmerzen, Migräne – mein Körper war im Ausnahmezustand, und ich habe fast nur zwischen Bett, Wärmflasche und kurzen Erholungsmomenten gewechselt. Ich war frustriert, weil ich nichts „Produktives“ geschafft habe. Und gleichzeitig habe ich gemerkt, dass genau diese Tage mich mit alten Glaubenssätzen konfrontieren.
Denn tief in mir sitzt etwas, das mir immer wieder sagt: „Du kannst dir selbst nicht vertrauen. Wenn du dir Ruhe erlaubst, wirst du faul. Du musst leisten, sonst reicht es nicht.“
Das ist eine Stimme, die aus meiner Vergangenheit kommt. Früher wurde mir selten gespiegelt, dass meine Schritte gut, schlau oder genug waren. Egal ob Schulwechsel, Gymnasium, Studium, Auslandsaufenthalt oder Master – es fühlte sich an, als wäre nichts davon wirklich anerkannt worden. Kein Wunder also, dass ich mir schwer tue, Pausen und Selbstfürsorge als wertvoll zu sehen.
In solchen Momenten meldet sich meine Zombie-Zukunft. Das Bild ist entstanden, weil ich gerade The Walking Dead schaue. In der Serie tauchen die Zombies plötzlich überall auf – man hat ständig das Gefühl, dass Gefahr im Nacken sitzt, dass man wegrennen muss. Genau so fühlt es sich für mich an, wenn die Angst in meinem Kopf auftaucht: die Vorstellung, dass mein Arbeitslosengeld bald endet und ich keinen Job finde. Rational weiß ich, dass noch Zeit bleibt – emotional sehe ich die Untoten schon auf mich zustürmen.
Aber in diesen Tagen ist etwas Neues passiert: Ich habe gelernt, meinen Fokus zu verkleinern. Erst Tag für Tag. Und dann – an besonders schweren Stunden – sogar Stunde für Stunde. Einatmen: „Hier.“ Ausatmen: „Jetzt.“
Damit verschwinden die Zombies nicht, aber sie bleiben in der Ferne. Und ich bleibe bei mir.
Und dann kam eine zweite Metapher, die mich getröstet hat: das Spiel.
Mein Leben ist kein einmaliger Bossfight, bei dem alles verloren ist, wenn ich nicht sofort gewinne. Jeder Schritt bringt mir XP – ob es Bewerbungen sind, Selbstfürsorge oder einfach das Aushalten eines schwierigen Tages.
Selbst wenn ich beim Endgegner (zum Beispiel: „Job finden bis Dezember“) nicht sofort siege, ist das kein „Game Over“. Es ist höchstens ein Respawn – mit mehr Erfahrung, mehr Skills, mehr Loot.
Diese drei Tage haben mir gezeigt:
Selbstfürsorge ist kein Zeichen von Faulheit, sondern von Stärke.
Angst malt gern Zombie-Bilder, aber die Realität ist oft viel leiser.
Jeder kleine Schritt bringt XP – und XP verschwinden nie.
Heute bin ich müde, matschig, erschöpft – aber ich habe trotzdem gewonnen. Denn ich habe nicht nur Schmerzen überstanden, sondern auch neue Gedanken entwickelt, die mir helfen, meinen alten Glaubenssätzen weniger Macht zu geben.


