Kalter Tee

Heute Morgen habe ich es wieder gemerkt. Während ich mir eigentlich nur einen Tee machen wollte, bin ich schon dabei gewesen, das Sofa einzuklappen, die Decken zu falten, den Lüfter umzustellen und die Fenster aufzureißen. Praktisch eben. Effizient. Wenn ich sowieso schon durchs Wohnzimmer gehe, kann ich die Sachen doch gleich mitnehmen. Und wenn ich in der Küche bin, dann kann ich auch noch die Spülmaschine ein- oder ausräumen.

Das klingt klug – und ist es auch. Nur: am Ende ist der Tee kalt.

Ich habe lange gedacht, das sei nur meine Art, die Dinge geschickt miteinander zu verbinden. Aber eigentlich raubt mir dieses Effizienzdenken die Momente, die wirklich mir gehören. Der Tee ist dafür ein Sinnbild. Ich trinke ihn nicht, solange er warm ist, sondern erst dann, wenn er eigentlich schon nebenbei geworden ist – so wie viele andere Dinge auch.

Und plötzlich sehe ich, wie viel das mit meinen Gefühlen von Überforderung und „ich schaffe doch nichts“ zu tun hat. Es stimmt ja gar nicht, dass ich nichts tue – im Gegenteil, ich bin ständig in Bewegung. Aber ich gönne mir keine Inseln, keinen Moment, in dem eine Sache wirklich für sich stehen darf.

Vielleicht ist genau das der Punkt: dass weniger wirklich besser wäre. Nicht mehr Effizienz, sondern mehr Klarheit. Ein warmes Getränk, das ich sofort trinke, weil es gerade dran ist. Kein Nebenbei, kein „noch schnell“. Einfach Tee.

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